Direkt zum Hauptbereich

Kultur auf dem MD-Gelände

Im Kulturausschuss gestern wurden die Weichen für die von der Stadt gewünschte kulturelle Nutzung des MD-Geländes gestellt. Die meisten Beschlüsse wurden - wie schon im Bauausschuss - einstimmig getroffen. Bei den weiteren Planungen soll Folgendes berücksichtigt werden:

1. Museum/Zentrum für Menschenrechte
Eine derartige Einrichtung würde Dachau als Lern- und Erinnerungsort zwar gut anstehen, ist aber für die Stadt nicht finanzierbar. Ein zweistelliger Millionenbetrag wäre erforderlich. Finanzielle Unterstützung durch Dritte wird es nicht geben.

2. Museum für zeitgenössische Kunst
Die Neue Galerie hat mittlerweile ihre Heimat im ehemaligen "Café Flori" gefunden, so dass sich entsprechende Überlegungen für das MD-Gelände erledigt haben.

3. große Veranstaltungshalle für 1.000 Besucher
Die deutliche Mehrheit des Ausschusses hat sich der Argumentation der CSU-Fraktion angeschlossen, dass die dezentrale Kulturstruktur mit unterschiedlichsten Spielstätten von Café Gramsci über Kulturschranne, Thoma-Haus, Leierkasten, ASV-Halle bis hin zu Open Airs auf dem Rathausplatz dem Dachauer Kulturleben besonderen Charme verleiht und daher erhaltenswert ist. Zwar besteht für eine Handvoll Veranstaltungen im Jahr (wie etwa Abibälle etc.) ein Bedarf nach einer solchen Einrichtung. Diese müsste aber natürlich das ganze Jahr über "bespielt" werden. Das Kulturamt müsste dann - wie etwa Fürstenfeldbruck, Germering oder Unterschleißheim - mit erheblichem finanziellen Aufwand (Verluste pro Jahr in den genannten Städten 1-2 Mio Euro) die üblichen Veranstaltungen von Operette bis Kabarett nach Dachau holen, die auch die anderen Gemeinden anbieten. Das würde wiederum die heutigen Strukturen - kaum eine andere Stadt hat so viele ehrenamtlich tätige Kulturschaffende wie Dachau - gefährden. Eine große Veranstaltungshalle soll daher nicht weiterverfolgt werden.

4. öffentlicher Platz ("Mühlenforum")
Der Ausschuss begrüßte es aber ausdrücklich, wenn ein öffentlicher Platz geschaffen wird, der sich für Veranstaltungen, etwa Open Airs im Rahmen des Musiksommers, eignet.

5. Jugendkulturzentrum
Die CSU-Fraktion hat herausgestellt, dass sie schon in der Vergangenheit Jugendkultureinrichtungen unterstützt hat, wie etwa den "Freiraum" in der Brunngartenstraße oder die neuen Bandübungsräume in der Friedenstraße, die im Herbst eröffnet werden. Auch ein Jugendkulturzentrum wurde begrüßt, das langjährige Engagement der entsprechenden Initiative, bei der auch die Junge Union Mitglied ist, ausdrücklich gelobt. Es sollen ein flexibler Veranstaltungsraum, ein Jugendcafé und mehrere unterschiedlich nutzbare Räume vorgesehen werden. Als Träger soll der Landkreis mit ins Boot geholt werden.  Wenn keine Jugendveranstaltungen stattfinden, soll der Raum auch anderen Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

6. Papiermuseum
Auf dem MD-Gelände soll auch zukünftig die Vergangenheit der Papierfabrik sichtbar bleiben. Neben dem Erhalt des Wasserturms hat sich die CSU-Fraktion daher auch für den Erhalt des Museumsgebäudes und seiner liebevoll zusammengetragener Exponate ausgesprochen. Attraktiv wird das Museum aber wohl nur in Kombination mit einem Café o.ä. sein. Eine Trägerschaft durch die Stadt kommt nicht in Betracht. Es bleiben die weiteren Plände des Investors, etwa die Gründung eines Trägervereins, abzuwarten.


1 3/4 Stunden wurde intensiv diskutiert und im Ergebnis aus Sicht der CSU-Fraktion die Weichen richtig gestellt. Man darf auf die konkreten Planungen gespannt sein...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Wort zum Sonntag - oder: Die politische Villa Kunterbunt

Wie schön, dass Pippi Langstrumpf ein Pferd hatte und deshalb nicht auf das Auto angewiesen war - über Umgehungsstraßen musste sie sich keine Gedanken machen. In Dachau geht es bei diesem Thema hingegen politisch kunterbunt zu: OB Hartmann beerdigt am einen Tag medial die Nord-Ost-Umgehung ( http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-nordost-umfahrung-vor-dem-aus-1.2029983 ) und buddelt am nächsten Tag mit 2/3 seiner Fraktion zumindest die Ostumgehung doch wieder aus dem Grab ( http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-weiter-auf-der-nordostumfahrung-1.2031760 ). Das Bündnis für Dachau wähnt sich in Taka-Tuka-Land ( http://dubistdachau.blogspot.de/2014/07/debatte-zur-nord-ost-und-ostumgehung.html ), verwischt vor lauter literarische Begeisterung aber Realität und Fiktion: Nicht "die CSU" will die Ostumgehung, sondern alle Fraktionen mit Ausnahme der Grünen und ihr selbst, begleitet von Prof. Heinritz (SPD). Nur, um der Legendenbildung vorzubeugen... Worum ge...

Bürger- und Volksentscheid: 2x knappes JA - 2x wenig Beteiligung - 2x fehlendes Interesse

Am 04. Juli 2010 haben die Bürger in Dachau über die Frage des " Ausstiegs der Stadtwerke aus den Kohlekraftwerksprojekten " in Lünen und Krefeld entschieden sowie auf Landesebene über die Frage eines umfassenden Rauchverbotes in öffentlichen Räumen und Gaststätten . Bei beiden Fragestellungen hielt sich die überwiegende und damit schweigende Mehrheit von Bürgerinnen und Bürgern von nahezu zwei Dritteln von der Wahlurne fern. Der verblieben Rest von einem Drittel bildete sich eine Meinung und gab diese durch Einwurf in die Wahlurne kund. Ob dies ein positives Beispiel für mehr unmittelbare Demokratie ist, soll jeder selbst beurteilen: Das Ergebnis : Bürgerentscheid: Ausstieg Kohlekraftwerksbeteiligungen Lünen  und Krefeld Volksentscheid: Effektiver Nichtraucherschutz

Werkausschuss (WA) lehnt weitere Prüfung und Rechtsgutachten ab

Das Bündnis und die BI "Kontra Kohle" wollten die Frage geklärt haben , ob die feste vertragliche Bindung von 20 Jahren im Gesellschaftsvertrag zum Steinkohlekraftwerk Lünen als wirksam anzusehen ist. Ein von den Stadtwerken Dachau eingeholtes Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die feste Laufzeit des Vertrages als wirksam anzusehen ist. Die weit überwiegende Mehrheit des Werkausschusses (WA) lehnte mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern, FDP und ÜB die Einholung eines weiteren Rechtsgutachtens, wie vom Bündnis beantragt, ab.