Direkt zum Hauptbereich

Das Wort zum Sonntag - oder: Plädoyer für eine bessere politische Kultur

Wir diskutieren in Dachau über einen aufwendigen und teuren Live-Stream aus den Stadtrats- und Ausschusssitzungen, um der Politikverdrossenheit zu begegnen. Vielleicht wäre es effektiver und günstiger, wenn alle Akteure, Politiker, Bürger, Verwaltung und Medien sich einfach einer besseren politischen Kultur verschreiben würden, egal auf welcher politischen Ebene:

MEHR MUT

Politik braucht mehr Mut zur Ehrlichkeit, zur Selbstkritik, zur Veränderungsbereitschaft, zur Kreativität. Wir sollten schauen, was möglich ist, nicht, was warum nicht geht. Einem Antragsteller, der selbst jahrelang auf den Rollstuhl angewiesen war, zu erklären, warum sein vorgeschlagener Behindertenparkplatz nicht funktioniert, ist hingegen bizarr. Wir müssen so ehrlich sein zu sagen, dass wir uns immer seltener teure Ideallösungen werden leisten können, wenn wir nicht irgendwann Lebensbereiche wie zB Kinderbetreuung und Kultur gegeneinander ausspielen wollen. Wir denken - selbstkritisch gesprochen - vielleicht nicht immer unkonventionell genug. Gute Vorsätze also auch für den nächste Woche neu zu wählenden CSU-Ortsvorstand...

MEHR VERTRAUEN

Ohne Grundvertrauen zueinander funktioniert kein Miteinander. Man sollte jedem politischen Akteur zunächst einmal gute Absichten unterstellen, ehe man zB mit Pippi Langstrumpf-Vergleichen kommt oder Fraktionen als trotzig rüffelt. Vielleicht wäre es auch einmal ein interessantes Projekt, Anträge ohne Angaben zur urhebenden Partei einzubringen... Wir alle sollten jeder Partei zugestehen, sich ernsthaft Gedanken gemacht zu haben, ehe sie zu ihrer Meinung gekommen ist, auch wenn man selbst die Sache anders sieht.

MEHR UNAUFGEREGTHEIT

Der Wahnsinn tobt mitunter auch auf Bundesebene: Der Bundesverkehrsminister hat sein Konzept zur Maut noch nicht einmal ganz vorgestellt, da wird es schon verrissen, Nachbarländer drohen mit Klagen etc. Natürlich kann (und muss) man Aufwand und Ertrag dieses Projekts sehr kritisch sehen - aber was bitte kann unsere Regierung dafür, dass die anderen Regierungen ihren Bürgern die Straßengebühren gerade nicht zurückgeben? Genau, nichts! Ruhig Blut also...

Ach ja - Mut, Vertrauen und Unaufgeregtheit wünscht das "Wort zum Sonntag" heute Abend auch der deutschen Nationalelf ;-)

Kommentare

  1. Das Wort zum Sonntag in allen Ehren, jedoch: solch Inhaltes gesprochen, kann es keinesfalls anonym sein und bleiben sonst war es ganz und gar für die Katz, das wär doch schade.

    AntwortenLöschen
  2. des Rätsels Lösung ist doch nicht so schwer...

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bürger- und Volksentscheid: 2x knappes JA - 2x wenig Beteiligung - 2x fehlendes Interesse

Am 04. Juli 2010 haben die Bürger in Dachau über die Frage des "Ausstiegs der Stadtwerke aus den Kohlekraftwerksprojekten" in Lünen und Krefeld entschieden sowie auf Landesebene über die Frage eines umfassenden Rauchverbotes in öffentlichen Räumen und Gaststätten.
Bei beiden Fragestellungen hielt sich die überwiegende und damit schweigende Mehrheit von Bürgerinnen und Bürgern von nahezu zwei Dritteln von der Wahlurne fern. Der verblieben Rest von einem Drittel bildete sich eine Meinung und gab diese durch Einwurf in die Wahlurne kund. Ob dies ein positives Beispiel für mehr unmittelbare Demokratie ist, soll jeder selbst beurteilen: Das Ergebnis:Bürgerentscheid: Ausstieg Kohlekraftwerksbeteiligungen Lünen  und Krefeld
Volksentscheid: Effektiver Nichtraucherschutz